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Wildkräuter auf Balkon und Terrasse

Kräuter- u. Naturwanderungen Markus Schrade
Herausgegeben von in Kräuter ·
Tags: WildkräuterBalkonTerrasseUnkrautWildkräuterziehen
Wer in seiner näheren Umgebung keine geeigneten Sammelorte für Kräuter vorfindet oder keine Zeit oder Lust zum Sammeln hat, der kann auch recht einfach diverse Wildkräuter auf Balkon oder Terrasse ziehen.
Da ich auch immer wieder mal auf dieses Thema angesprochen werde, schreibe ich nun hierzu ein paar Zeilen.

Im Grunde ist es ziemlich einfach und man kann sich das ganze Jahr über mit unterschiedlichen Kräutern versorgen. Je nach zur Verfügung stehender Größe/Fläche und Anzahl der Personen im Haushalt kann man unterschiedliche Bedarfe und Bedürfnisse abdecken. Selbst wenn man z.B. so wie ich nur einen kleinen Balkon hat, kann man eine tägliche Mindestversorgung mit kleinen Mengen Kräutern sicherstellen. Somit hat man immerhin eine kleine Portion natürliche und gesunde Nahrungsergänzung. (Besser als die ganzen Pillen und Pulver, die man so kaufen kann.) Vor allem im Winter ist das aus unterschiedlichen Gründen sehr hilfreich. Da kommt dann jeden Morgen in den Smoothie neben Gemüse eine Portion Wildkräuter rein. Frischer gehts’s nicht. Alle anderen Wildkräuter- und -früchte, die ich so benötige, werden dann gesammelt.

Mein nur ein paar Quadratmeter großer Balkon steht voll mit diversen Töpfen und Kästen, in denen unterschiedliche Kräuter wachsen. Im Schnitt sind es so 20 Arten. Und das beste daran ist, dass ich von diesen +/- 20 Kräutern gerade mal 5 gezielt angepflanzt bzw. eingesät habe. Das wären Petersilie, Basilikum, Oregano, Bergbohnenkraut und Feld-Thymian (Thymus pulegioides). Alles andere hat sich selbst eingestellt. Das sieht im ersten Moment vielleicht etwas ‘wild’ und unordentlich aus. (Mein Nachbar oder meine Oma würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie meinen Balkon gesehen hätten.) Anbei mal ein Foto aus einer Ecke:


Aber darum geht es ja. Der Natur freien Lauf lassen und einfach mal gucken was passiert. Wir sollten uns mal von dem Gedanken verabschieden, dass alles immer ‘ordentlich’, ‘sauber’, symmetrisch, geordnet und vor allem unkrautfrei sein soll. Denn das ist es ja, was wir Kräuterfreunde doch eigentlich haben wollen: Die essbaren, gesunden Unkräuter. Was für den einen ungeliebtes Unkraut ist, ist für den anderen gesunde Nahrung.


Und auch außerhalb der Töpfe und Beete findet man meist Essbares.
Kleines Beispiel: In der Mitte meines Balkons befindet sich ein kleiner Abfluss von 19x19 cm. Aus diesem Mikro-Biotop sprießen auch ein paar Kräuter. Ich habe mal ein Foto beigefügt.



Auf dieser Kleinstfläche gedeihen immerhin 4 verschiedene Arten, die auch noch essbar sind. Das ist mehr, als in vielen (Stein-)Vorgärten. Das wären Kohl-Gänsedistel (Sonchus oleraceus), Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule), Vogel-Sternmiere (Stellaria media) und Kleinköpfiger Pippau (Crepis capillaris.) Dominant ist hier die Kohl-Gänsedistel. Vor allem die jungen Pflänzchen schmecken wunderbar. Hier kann ich mich alle 3 bis 6 Tage bedienen. (Je nach Temperaturen. Wenn’s mild ist, wachsen sie schneller nach.)

Und nun zu den Töpfen/Trögen/Kästen, etc. Hier folgende Vorschläge und Tipps: (Keine Sorge, sieht auf den ersten Blick mehr aus, als es eigentlich ist. Die praktische Durchführung ist ganz simpel und geht schnell.)

  1. Auswahl der Pflanzbehälter.
    Sie sollten möglichst aus Keramik (oder einem anderen Naturmaterial) sein. Wer noch welche aus Plastik hat, kann diese natürlich auch weiter verwenden. Jedoch löst sich über die Jahre nach und nach das Plastik auf und dann hat man, zumindest bei älteren Gefäßen, auch irgendwann Mikroplastik in seinen Kräutern. (Meine restlichen Kunststoff-Behältnisse tausche ich auch sukzessive aus.)
    Keramik hat den Vorteil, dass sie länger Wärme speichert. Dies kommt den Wurzeln zugute, da gerade auf Balkonen von unten im Winter immer Kälte hoch kommt.
  2. Auswahl der Positionen.
    Wer mehr Fläche zur Verfügung hat, kann natürlich mehr probieren und mehrere Behälter an unterschiedliche Positionen stellen. Bis auf nordexponierte Stellen, die dann den ganzen Tag im Schatten sind, kann man eigentlich alles versuchen. Wer nur einen kleinen Balkon oder Terrasse hat, bekommt durch diese die Positionen mehr oder weniger vorgegeben.
  3. Behälter mit Bio-Komposterde befüllen.
    Unbedingt Rückseite der Verpackung durchlesen! Wenn da vorne ‘Bio’ drauf steht, hat das nichts mit den Siegeln zu tun, die wir aus dem Lebensmittelbereich kennen. Hier wird der Verbraucher oft in die Irre geführt. Wenn jemand selbst gemachten Kompost von einem Bekannten bekommen kann, umso besser. Natürlich kann man hier kreativ sein und verschiedene Erden mischen bzw. versuchen, sich noch ein paar Schaufeln voll Erde aus einem oder mehreren Gärten oder vom Waldrand zu besorgen.
    Im Grunde kann man zu jeder Jahreszeit starten, aber besser geeignet ist der Herbst/Winter. Also jetzt! Und Warum ? Zum einen haben wir (noch) ausreichend Niederschläge und Samen brauchen zum Keimen Wasser. Zum anderen gibt es sogenannte Kältekeimer, die entsprechend niedrige Temperaturen zum Keimen benötigen.
  4. Abwarten und und Tee trinken.
    Wer wie oben beschrieben im Winter oder zeitigen Frühjahr loslegt, braucht eigentlich nicht gießen. Das übernimmt die Natur. Außer natürlich auf überdachten Flächen. Hier sollte die Fläche für mindestens 3 bis 4 Wochen feucht gehalten werden.
  5. Die Substrate sind voll von Sämereien und Wurzelstückchen aller Art. Zudem werden über Wind und Tiere weitere Samen herein gebracht. Früher oder später werden also auf jeden Fall Pflanzen keimen. Garantiert! Mit Sicherheit wird auch die schmackhafte Vogel-Miere (Stellaria media) dabei sein. Diese kann man auch als Anfänger relativ einfach erkennen.
    Um die Keimlinge und sehr junge Pflänzchen anderer Arten sicher erkennen zu können, braucht man natürlich schon ein bisschen Übung bzw. Kenntnisse. Wenn man unsicher ist, einfach wachsen und gedeihen lassen und später, wenn die Pflanze größer ist oder gar blüht, erneut versuchen zu bestimmten. (Ansonsten kann ich mal vorbei kommen und schauen.) Durch diesen Beobachtungsprozess lernt man auch unheimlich viel über die jeweiligen Arten. Man kann dann irgendwann eine Art in jedem Stadium bestimmen. Das ist besser als jedes Lehrbuch.
  6. Ernten.
    Wenn die Kräuter eine bestimmte Größe erreicht haben, kann man sie einfach pflücken und anschließend direkt verwenden. Ab welchem Alter bzw. Größe man sie pflückt, ist eigentlich jedem selbst überlassen. Bei einigen Arten variiert auch der Geschmack mit zunehmendem Alter. Und klar, wenn man Blüten oder Früchte haben möchte, muss man die Kräuter natürlich entsprechend wachsen lassen.
    Und hier gilt im Kleinen auch das, was draußen in der Natur gilt. Man sollte, zumindest wenn man länger was von seinen Kräutern haben will, nicht alles auf einmal bzw. einzelne Pflanzen komplett pflücken und ihnen die Chance geben wieder nachzuwachsen. Ich zum Beispiel ‘rotiere’ da sozusagen bei meinen Töpfen.
  7. Pflege.
    Gießen braucht man eigentlich nicht. Außer es bleibt wieder mal für eine längere Zeit der Regen aus. Man sieht es aber irgendwann den Pflanzen an, wenn sie Wasser brauchen. Dann kann man alle ein bis zwei Tage einmal pro Tag gießen. (Wassermenge und Intervall richten sich dabei nach Temperaturen und Pflanzenarten) Am besten morgens. Kein frisches und kaltes Wasser aus der Leitung. Das Wasser sollte etwas abgestanden sein und Umgebungstemperatur haben. Am nachhaltigsten wäre Regenwasser, sofern man Auffangmöglichkeiten hat oder ‘Zweitwasser’, wie ich es mal nenne. Ich verwende z.B. Wasser, das beim Reinigen von gekauftem Obst und Gemüse oder leicht verschmutztem Geschirr anfällt. Kann man einfach in einer Schüssel auffangen. Ist viel zu kostbar, um es einfach in den Abfluss laufen zu lassen. (Damit kann man übrigens auch kleine Klospülungen vornehmen.) Das Wasser kann man dann einen Tag bzw. Nacht in der Gießkanne stehen lassen und am nächsten Tag gießen.

    Alte bzw verwelkte/abgestorbene Pflanzenteile kann man im Frühjahr abschneiden und dann in kleinen Mengen zerkleinert in den Pflanzgefäßen belassen. Sie werden im Laufe der Zeit zersetzt und dienen als natürlicher Dünger.

    Wenn einzelne Arten einem doch zu dominant werden sollten bzw. andere Kräuter überwuchern, kann man diese natürlich zurückschneiden oder heraus rupfen. Muss am Ende jeder selbst wissen, was er haben möchte und was nicht.
  8. Standortanpassungen.
    Wenn man irgendwann merkt, dass bestimmte Kräuter zwar aufgegangen sind, dann aber nicht mehr richtig weiter wachsen oder die ganze Zeit ganz gut gewachsen sind und dann plötzlich nicht mehr so richtig wollen, kann dies unterschiedliche Ursachen haben. (Hier kann ich leider nicht auf alle eingehen. Das wäre zu umfangreich.) Einer könnte sein, dass sie zu viel oder zu wenig Sonne bzw. zu viel oder zu wenig Wärme haben. Vorteilhaft ist natürlich, wenn man weiß, welche Ansprüche die jeweiligen Kräuter haben. Oftmals kann es helfen, wenn man den Topf an einen anderen Ort stellt. Manchmal können bereits 50 cm weiter rechts oder links entscheidend sein, wenn hierdurch der Topf den Tag über z.B. ein paar Stunden mehr Schatten bekommt. Einfach mal ausprobieren :-)
  9. Sonstiges.
    Nicht alle Kräuter werden das ganze Jahr über vorhanden sein. Manche gibt es nur im Frühling oder Herbst, andere wiederum (Wärmekeimer) wird es nur im Sommer geben. Eben wie draußen in der Natur. Man sollte daher entspannt an die Sache heran gehen und einfach beobachten und lernen. Wie eine Art Experiment. Gerade auch für Kinder dürfte diese Art von ‘Projekt’ spannend sein.

    Wer bereits viele Töpfe usw. mit (Zier-)Pflanzen oder Gemüse bestückt hat, kann einfach mal das ‘Unkraut’ wachsen und sich hier überraschen lassen, was da alles kommt. Oder einfach mal im kommenden Jahr nicht die langweiligen (und insektenfeindlichen) Geranien oder ähnliches pflanzen, sondern einfach mal nichts pflanzen und abwarten.....

Falls noch Fragen hierzu auftauchen sollten, könnt ihr euch gerne melden. Viel Spaß beim Ausprobieren und Erkunden !





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